GeschlechterStudien
1.1 Schmerzforschung
1.2 Geburtsschmerz
1.3 Krankheit
2.0 Lebenserwartung
3.0 Suizidalität
4.0 Y-Chromosom
5.0 Multitasking
6.0 Intuition
-
Aus den Medien
-- einparken --
-- schmerz --
-- arzt --
-- erziehung --
-- kreuzigung --
-- zäher --
-- geschnitten --
-- epilieren --
-- tattoo --
-- piercing --
Impressum / Kontakt

 

 
 
 
 
Geburtsschmerz
 
 Könnten Männer den Geburtsschmerz aushalten?

 

Kernaussagen dieses Kapitels:

Kinderkriegen hat vor allem deshalb einen besonders schmerzhaften Ruf, weil Frauen besonders schmerzempfindlich sind.

Schmerzbelastbarkeit gilt seit jeher als männliche Tugend. Feministen wünschen sich jedoch die Frau als das starke Geschlecht und verbreiten die These, kein Mann könnte den Schmerz einer Geburt aushalten, da dies der schlimmste Schmerz überhaupt sei.

Heute wissen wir, dass es wesentlich stärkere Schmerzen gibt, als den Geburtsschmerz und dass Männer von Natur aus schmerzresistenter sind als Frauen.

Die moderne medizinische Schmerzforschung zeigt, dass Frauen schneller über „unerträgliche Schmerzen“ klagen und schneller bei Tätigkeiten aufgeben, die Schmerzen verursachen, während Männer bei gleich starkem Schmerzreiz sagen, der Schmerz lässt sich noch gut aushalten und weitermachen.

Künstliche Wehen am Wehensimulator:

Ein sogenannter Wehensimulator, wie er in den Medien an Männern vorgeführt wird, simuliert keine Wehen sondern Schmerzen, die durch elektrische Reize hervorgerufen werden.

Somit ist ein Wehensimulator nichts anderes, als ein Schmerzsimulator, wie er in der Schmerzforschung verwendet wird. Im direkten Mann / Frau - Vergleich zeigt die Schmerzforschung, dass Männer solche Reizstromschmerzen (und auch alle anderen Schmerzarten) besser aushalten als Frauen.

In den Medien (z. B. "Jenke Experiment") scheut man den direkten Mann / Frau - Vergleich und zeigt lediglich, wie lange Männer Experimente am sogenannten Wehensimulator durchhalten. Aussagekräfig über die Schmerzbelastbarkeit der Geschlechter ist jedoch nur, wenn Frauen und Männer parallel an einen Wehensimulator angeschlossen sind. Im direkten Vergleich zeigt die Schmerzforschung deutlich, dass Frauen eher "unerträgliche Schmerzen" beklagen und schneller abbrechen.

 

 

Man muss nicht besonders Schmerzbelastbar sein, um eine Geburt auszuhalten

Besonders im Zeitalter des Feminismus wurde lautstark die These propagiert, dass nur extrem schmerzunempfindliche Menschen den Schmerz einer Geburt aushalten können. Man hat sogar die Existenz von Studien erfunden aus denen hervorgehen soll, dass Geburtsschmerzen so entsetzlich sind, dass die Männer aufgrund ihrer angeblichen Empfindlichkeit keine Geburt überstehen könnten. Diese Aussage sollte das Selbstwertgefühl der Frau stärken, hat jedoch letztendlich viele Frauen verunsichert.

Tatsächlich hat es die Natur so eingerichtet, dass der Geburtsschmerz auch für die Empfindlichsten unter den Frauen keine Bedrohung darstellt. Daher können sich Frauen eine höhere Schmerzempfindlichkeit leisten als Männer (wie die moderne medizinische Schmerzforschung beweist), denn Männer mussten seit jeher wesentlich extremeren Schmerzbelastungen standhalten, um das Überleben der Population zu gewährleisten.

Es braucht daher keine besondere Schmerzbelastbarkeit, um eine Geburt auszuhalten.

 

Die Natur schützt vor zu starkem Geburtsschmerz

Allein die Vorstellung, dass die Frau den Kopf eines Kindes durch den Geburtskanal pressen muss, wirkt schmerzhaft. Doch die Natur schützt vor zu starkem Geburtsschmerz:

Normalerweise ist die Gebärmutter mit Schmerzrezeptoren besetzt. Früher glaubte man, dass es unerträgliche Schmerzen sein müssen, wenn sich die Gebärmutter bei der Geburt immer wieder zusammenzieht und ein Kind hervorpresst.

Heute wissen wir, dass sich die Schmerzrezeptoren der Gebärmutter während der Schwangerschaft zurückbilden, sodass die Kontraktionen der Gebärmutter gar keine Schmerzen verursachen können.

Die Wehen eröffnen den Muttermund (Ausgang aus der Gebärmutter) auf etwa 10 Zentimeter um den Durchtritt des Kindes zu ermöglichen. Der Muttermund ist mit Schmerzrezeptoren besetzt, wird jedoch durch Hormone so auf die Geburt vorbereitet, dass er weich und entspannt ist.

Obwohl das Öffnen des Muttermundes nicht schmerzhaft sein muss, sondern im Grunde ein „wellenförmiges Gefühl“ verursacht, geht man heute davon aus, dass, wenn Schmerzen bei der Geburt empfunden werden, diese hier entstehen.

Der ohnehin schon elastische Geburtskanal (Muttermund und Vagina) wird während der Schwangerschaft durch Hormone der Plazenta aufgeweicht und erhält dadurch eine noch bessere Dehnbarkeit.

Während der Geburt presst der Kopf des Kindes das Blut aus den Weichteilen. Die dadurch entstehende Blutleere macht Geburtskanal, Damm und Schamlippen unempfindlich, so dass man direkt nach der Geburt einen Dammriss ohne Betäubung nähen kann.

Um den Durchtritt des kindlichen Kopfes durch den knöchernen Beckenring zu erleichtern, lockern sich während der Schwangerschaft die Fasern zwischen den Beckenknochen, so dass der Kopf, der ebenfalls elastisch ist und sich an die Beckenstruktur anpasst, mehr Platz hat.

Damit sich auch extrem „unsportliche“ Frauen bei der Geburt nicht auf gefährliche Weise überanstrengen, übernimmt die Gebärmutter automatisch die Gebärarbeit. Daher können auch Frauen, die vom Hals ab gelähmt sind, und daher nicht in der Lage sind, bei der Geburt mitzuarbeiten, auf ganz natürlichem Wege, ohne Hilfe von außen, Kinder gebären.

Diese biologischen Gegebenheiten werden durch eine Endorphinausschüttung unterstützt, die beispielsweise auch Sportlern hilft, anstrengende Situationen zu meistern. Endorphine und auch das Hormon Oxytocin, das die Wehen hervorruft, haben eine schmerzlindernde Wirkung.

 

Geburt ist nicht gleich Geburt

Es gibt verschiedene Faktoren, warum sich Geburten voneinander unterscheiden. Dazu gehören die individuelle Beckenstruktur der Frau, die Größe des Kindes oder die Stärke der Wehen. Durch diese Gegebenheiten kann die Geburt mehr oder weniger anstrengend sein. Keiner dieser Faktoren sagt jedoch zwingend aus, ob die Geburt schmerzhaft sein muss, oder nicht.

So gibt es Frauen, die aufgrund eines engen Beckens und großen Kindes die Geburt als besonders anstrengend erleben, aber dennoch eine schmerzarme oder gar schmerzfreie Geburt haben. Andere Frauen mit ähnlichen Voraussetzungen sagen wiederum, dass sie die Geburt als sehr schmerzhaft empfunden haben.

Die Wehen können, je nachdem wie stark die Ausschüttung des Hormons Oxytocin (ruft die Kontraktionen der Gebärmutter hervor) ist, stärker oder weniger stark sein. Auch in diesem Fall gibt es Frauen, die selbst sehr starke Wehen als schmerzarm empfinden, andere hingegen sprechen von extremsten Schmerzen – auch bei weniger starken Wehen.

Letztendlich gibt es auch Frauen, die trotz eines vorteilhaft breiten Beckens und normalstarker Wehen, bei der Geburt eines durchschnittlich großen Kindes vor Schmerzen schreien, während andere Frauen mit gleichen Gegebenheiten kaum Schmerzen verspüren.

Immer wieder berichten die Medien von Frauen, die aufgrund ihrer enormen Leibesfülle nicht wissen, dass sie bereits im neunten Monat schwanger sind, und, in dem Glauben, lediglich Verdauungsbeschwerden zu haben, vollkommen überrascht und ohne Geburtsschmerzen auf der Toilette ein Kind zur Welt bringen.

 

Geburtsschmerz und Psychosomatik

Im Rahmen der Erforschung des Geburtsschmerzes erklären Mediziner und Hebammen, die Erfahrung auf dem Gebiet der Psychosomatik haben, dass die Stärke der Geburtsschmerzen maßgeblich davon abhängt, wie hoch die Schmerzerwartung und die aktuelle psychische Befindlichkeit der Gebärenden sind.

Eine Kapazität auf diesem Gebiet ist beispielsweise Doktor Ingrid Olbricht, die sich als Chefärztin der Psychosomatischen Abteilung der Wicker-Klinik in Bad Wildungen intensiv mit dem Thema Geburtsschmerz befasst und wegweisende Bücher geschrieben hat. So erklärt sie in ihrem Sachbuch „Was Frauen krank macht“, dass Gebären und Schmerzen von Natur aus nicht zusammen gehören, und sie zeigt auf, welche psychischen Vorgänge bei der Geburt zu einem starken Schmerzerleben führen, das im Grund nicht sein muss.

 

Schmerzerwartung, Stress und Geburtsschmerz

Angst und Stress erzeugen bei Frauen nachweislich eine erhöhte Schmerzempfänglichkeit, wodurch selbst leichte Schmerzen als sehr stark empfunden werden können (Männer hingegen reagieren unter Angst und Stress nicht mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit, damit sie in schmerzhaften Gefahrensituationen bessere „Nehmerqualitäten“ haben).

Allein die Umgebung Krankenhaus kann unbewusste Ängste fördern, die zu Stress während der Geburt führen, weshalb man heutzutage sehr bemüht ist, Kreißsälen einen freundlichen und beruhigenden Charakter zu verleihen, der nicht an Krankenhaus erinnern soll.

Die Sorge vor möglichen Komplikationen kann zu Angst und Stress führen.

Die Vorstellung, dass der große Kopf des Kindes durch den Geburtskanal muss, kann Angst und Stress erzeugen.

Der schmerzhafte Ruf des Gebärens führt häufig zu einer hohen Schmerzerwartung und somit zu Angst und Stress, weshalb Feministinnen mit ihrer Kampagne „Der Geburtsschmerz ist der stärkste Schmerz überhaupt“ ihren Geschlechtsgenossinnen keinen Gefallen tun.

Aufgrund der unsicheren weiblichen Hormonlage kann die persönliche Befindlichkeit stark schwanken, sodass auch Frauen, die ihre erste Geburt als leicht empfunden haben, bei der zweiten Geburt sehr empfindlich und schmerzempfänglich reagieren.

 

Geburtsschmerz und Kultur

Es gibt Kulturen, in denen die Menschen gelernt haben, sich besonders intensiv in ihr Schmerzerleben hineinzusteigern. Frauen, die sich in ein mögliches Schmerzerleben während der Geburt hineinsteigern, erleben die Schmerzen so stark, dass sie diese häufig nur unter lautem Schreien aushalten können. Das gilt jedoch nicht allein für den Geburtsschmerz, sondern für sämtliche Arten von Schmerzen.

Kulturen, in denen Gebären einen sehr schmerzhaften Ruf hat, fördern die Schmerzerwartung. Frauen, die in solchen Kulturen aufwachsen, klagen nachweislich sehr häufig über Schmerzen bei der Geburt und benötigen schmerzlindernde Arznei, während Frauen aus anderen Kulturen eher schmerzarme oder schmerzfreie Geburten haben.

 

Geburtsschmerz und Männer

Je weiter die Forschung vorangeht, umso deutlicher stellt sich die Tatsache heraus, dass beim Gebären die Schmerzrezeptoren weitaus weniger gereizt werden, als in anderen schmerzhaften Situationen. Daher ist der Geburtsschmerz bei weitem nicht der stärkste Schmerz überhaupt.

Die moderne medizinische Schmerzforschung beweist, dass Männer in Bezug auf die Schmerzbelastbarkeit robuster konstruiert sind als Frauen. Daher greifen Männer seltener zu schmerzlindernder Arznei und sie neigen dazu, sich häufiger immer wieder belastenden und schmerzhaften Situationen auszusetzen.

Experimente der Schmerzforschung zeigen auf, dass Frauen schneller über „unerträgliche“ Schmerzen klagen als Männer und bei schmerzhaften Tätigkeiten schneller aufgeben.

Das Märchen von den empfindlichen Männern, die keine Geburt überstehen könnten basiert lediglich auf feministisch motiviertem Wunschdenken. Tatsächlich würden Männer, wenn sie Kinder kriegen könnten, wesentlich mehr Schmerzbelastbarkeit zeigen als Frauen, und Männer würden auch hier seltener zu schmerzlindernden Maßnahmen greifen.

 

Quellenhinweise:

Doktor Ingrid Olbricht: Was Frauen krank macht

Prof. Dr. P. Husslein | U. Schuster | B. Haber: 300 Fragen zur Geburt

Weterning | Eskes: studie

 

National Institutes of Health, Gender and Pain, April 1998
Dr. Roger B. Fillingim, Ph.D., Department of Psychology, School of Social & Behavioral Science, University of Alabama, Birmingham, Alabama
William Maixner, D.D.S., Ph.D., Department of Endodontics, School of Dentistry, University of North Carolina, Chapel Hill, North Carolina
 
 

 

Anzeige