GeschlechterStudien
Frauenfeindlich?
TEST
-
1.1 Schmerzforschung
1.2 Wahrnehmung
1.3 Geburtsschmerz
1.4 Krankheit
-
2.0 Lebenserwartung
3.0 Herzinfarkt
4.0 Suizidalität
5.0 Y-Chromosom
6.0 Gehirn
7.0 Multitasking
8.0 Intuition
9.0 Einparken
-
Aus den Medien
-- schmerz --
-- arzt --
-- erziehung --
-- kreuzigung --
-- zäher --
-- geschnitten --
-- epilieren --
-- tattoo --
-- piercing --
-
Impressum / Kontakt
Links
-
Crimson Verlag

 Crimson Verlag
 

www.GeschlechterStudien.de
- Tatsache oder Meinungstrend? -
 
 
 
Für eilige Leser:
Die Kernaussagen der Kapitel finden Sie hier: TEST
 
 
Herzinfarkt
 
 
„Männer kriegen ’nen Herzinfarkt ...“
Herbert Grönemeyer
 
 
Sind Männer anfälliger für Herzinfarkte als Frauen?
 
Noch vor wenigen Jahrzehnten glaubten Mediziner, dass lediglich Männer an Lungenkrebs erkranken können. Ein Trugschluss. Die männliche Lunge war lediglich durch Giftstoffe, die durch berufliche Faktoren (z. B. Steinstaublunge) und ungesunde Lebensweise (Rauchen) die Lunge schädigen, wesentlich stärker belastet. Heute gilt es als bewiesen, dass die weibliche Lunge unter gleicher Schadstoffbelastung schneller erkrankt.
 
Genau so verhält es sich mit dem Herzinfarkt. Dennoch fallen in den Medien immer wieder Berichte auf, in denen behauptet wird, das männliche Herz sei „schwächlich“, da der Mann (im Gegensatz zur Frau) angeblich voller „Konstruktionsfehler“ steckt.
 
Tatsächlich ist das kleinere weibliche Herz störungsanfälliger. Frauen sind lediglich weniger Risikofaktoren ausgesetzt.
 
 
Erleiden Männer mehr Herzinfarkte als Frauen?
 
Der Glaube, Herzinfarkte seien Männersache (siehe Grönemeyer) ist ein wunderbares Beispiel für mediengesteuerte Fehlwahrnehmung.
 
Herzinfarkte betreffen in der Häufigkeit Männer und Frauen gleichermaßen. Herz- Kreislauferkrankungen stellen bei beiden Geschlechtern die häufigste Todesursache dar. Männer überleben Herzinfarkte häufiger als Frauen.
 
 
Warum vermuten Männer schneller einen Infarkt?
 
In der Regel gehen Frauen bei Beschwerden schneller zum Arzt (siehe Kap. Krankheit). Beim Herzinfarkt verhält es sich anders.
 
Männer überleben Herzinfarkte häufiger, weil sie beim Infarkt schneller reagieren. Der Grund: Da der Herzinfarkt im Volksmund noch immer als typische Männerkrankheit angesehen wird, rechnen Männer bei entsprechenden Symptomen natürlich sofort mit einem Infarkt.
 
Frauen hingegen ordnen die Symptome nicht so schnell einem Infarkt zu, da sie oft glauben, Frauen kriegen so was nicht.
 
Statt dessen glauben viele Menschen, Frauen bekämen eher Brustkrebs als einen Infarkt. Ein fataler Irrglaube!
 
Gäbe es mehr Aufklärung anstelle von Vorurteilen (Männer kriegen ’nen Herzinfarkt), würden auch Frauen schneller reagieren und hätten bessere Überlebenschancen. Medien, die weiterhin das Vorurteil vom „schwächlichen Männerherz“ verbreiten, sorgen letztendlich dafür, das etliche Frauen zu spät Hilfe erhalten.
 
 
Haben Frauen untypische Infarktsymptome?
 
Ein weiterer Irrglaube besteht darin, dass sich der Infarkt bei Frauen durch sogenannte „untypische Infarktsymptome“ äußert: z. B. Atemnot, Bauchschmerzen oder Erschöpfungszustände. Männer hingegen hätten sogenannte „typische Infarktsymptome“ wie Schmerzen in der Brust.
 
Tatsache ist, dass die Art der Symptome nicht grundsätzlich vom Geschlecht abhängt, sondern von der Schwere und der Lokalisation des Infarktes.
 
-         Lediglich eine Minderheit von 1/3 der betroffenen Frauen klagt über „untypische Infarktsymptome“.
-         Immerhin 1/4 der betroffenen Männer klagt ebenfalls über „untypische Infarktsymptome“.
-         Der Unterschied beträgt also lediglich ca. 8%!
 
Auch Kardiologen, die sich nicht durch Weiterbildung auf den neusten Stand bringen, verbreiten o. g. Vorurteil.
 
 
Wem nutzen die Vorurteile?
 
Natürlich ist es für jeden Feministen eine Freude zu lesen, dass Männer voller „Konstruktionsschwächen“ stecken und ein „schwächliches“ Herz haben. Auch lässt es sich politisch wunderbar nutzen, wenn man den Irrglauben verbreitet, Frauen hätten beim Infarkt grundsätzlich andere Symptome und würden daher weniger gezielt behandelt.
 
Für den Menschen, der den Infarkt erleidet, egal ob Mann oder Frau, sind solch politisch motivierte Vorurteile jedoch fatal. Hilfreich ist allenfalls eine vernünftige Aufklärung.
 
 
Quellen:
 
Kardiologin Vera Regitz-Zagrosek
Zentrum für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité
 
Zeit Wissen 1 / 2007