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Multitasking
Männer und Multitasking
 
 
 

Kernaussagen dieses Kapitels:

Ein verbreiteter Meinungstrend besagt, Männer seien im Gegensatz zu Frauen „Multitaskingkrüppel“.

Im Zeitalter des Feminismus untersuchte man Männer und Frauen auf ihre Fähigkeit zum Multitasking. Zu diesem Zweck wurden spezielle Tests entwickelt, die bevorzugt Tätigkeiten beinhalteten in denen Frauen aus kulturellen Gründen geübter sind als Männer. In solchen Tests schneiden Frauen besser ab.

Geschlechterneutrale Multitaskingtests zeigen: Männer und Frauen sind gleich gut bzw. gleich schlecht in Sachen Multitasking. Bei ungeübten Tätigkeiten sind sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen Multitaskingunfähig, da sie sich vollständig auf die ungewohnte Tätigkeit konzentrieren müssen.

Der größte Multitaskingtest der Welt:

Sämtliche Unfallstatistiken zeigen, dass Männer besser im Straßenverkehr mit seinen unübersichtlichen Multitasking-Situationen zurechtkommen – trotz schnellerer und riskanterer Fahrweise. Das wäre nicht möglich, wenn Männer „Multitaskingkrüppel“ wären.

 

Multitaskingkrüppel Mann - Ein gut gepflegtes Vorurteil

Auf der Suche nach männlichen Schwächen wurden im Zeitalter des Feminismus etliche Vorurteile erfunden, die alle eins gemeinsam haben: bei genauer wissenschaftlicher Untersuchung stellt sich heraus, dass sie grundlegend falsch sind. So auch das Vorurteil vom männlichen Multitaskingkrüppel.

Längst ist bewiesen, dass Frauen nicht multitaskingbegabter sind als Männer. Doch ein Vorurteil, das einmal Einzug in die Medien gefunden hat, ist so leicht nicht auszulöschen. Noch heute wird uns regelmäßig in Zeitungskolumnen, Geschlechterartikeln, Gender-Büchern etc. eingeredet, Männer seien im Gegensatz zu Frauen bemitleidenswerte Multitaskingtrottel.

 

Multitasking und Gewohnheit

Heute wissen wir, dass Frauen ebenso wie Männer Tätigkeiten am effektivsten ausüben, wenn sie diese nacheinander durchführen, statt mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Natürlich ist es möglich, den Reifen zu wechseln, dabei zu telefonieren und nebenher die Würstchen auf dem Grill zu wenden. Doch nur, wenn wir in den einzelnen Tätigkeiten Routine besitzen und nichts Unerwartetes geschieht. Handelt es sich bei dem Telefonat um ein schwieriges Bewerbungsgespräch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass uns die Schraube in den Rinnstein kullert, die Würstchen anbrennen und wir uns beim Telefonieren verhaspeln.

Ein Mann, der  gewohnt ist, in der Küche zu arbeiten, ist sehr gut in der Lage mehrere Dinge gleichzeitig bzw. nebenher zu verrichten. Das beweisen tagtäglich unzählige Köche, die problemlost etliche Gerichte gleichzeitig zubereiten, wenn zur Hauptbetriebszeit zig Bestellungen auf einmal getätigt werden.

Ein Mann, der nur selten mit Küchentätigkeiten zu tun hat, ist schnell überfordert, wenn mehrere Dinge gleichzeitig auf ihn zukommen. Ebenso geht es Frauen bei ungeübten Tätigkeiten.

 

Multitasking im Test

Seriöse Studien zum Thema Multitasking zeigen, dass sich Männer und Frauen gleichermaßen durch Multitasking gestresst fühlen und gleichermaßen schlecht abschneiden.

So führte das Institut für Arbeit und Gesundheit im Jahre 2010 Multitasking-Tests mit Männern und Frauen unterschiedlicher Altersgruppen durch. Hierbei mussten die Teilnehmer während des Autofahrens Bürotätigkeiten durchführen (z. B. Texte korrigieren). Dabei schnitten Frauen wie Männer gleich schlecht ab. Die weiblichen Teilnehmern waren also kein Stück überlegen in Sachen Multitasking.(Institut für Arbeit und Gesundheit, 2010)

 

Ein weiteres Beispiel zeigt eine amerikanische Forschergruppe (Medicine and Science in Sports and Excercise, L. Chaddock, M. Neider, M. Voss, J. Caspar, A. Kramer 2011):

Im Versuch auf dem Laufband mit Simulationsbrille schneiden männliche wie weibliche Sportler besser ab als untrainierte Personen, wenn sie heranrasenden Autos ausweichen müssen. In Verbindung mit Multitasking durch beispielsweise gleichzeitiges Telefonieren oder Musik hören zeigen sie jedoch gleich schlechte Ergebnisse – Frauen ebenso wie Männer.

Würde das Klischee stimmen, dass Männer Multitaskingkrüppel sind und Frauen Multitaskingüberbegabt, müssten Männer in den wissenschaftlichen Tests katastrophal versagen, und Frauen mit spielerischer Leichtigkeit triumphieren.

 

Multitaskingübung Autofahren

 
 

Der größte Multitaskingtest der Welt

Autofahren gilt als die Multitaskingtätigkeit schlechthin. Gleichzeitig steuern, kuppeln, bremsen, Nachrichten und Staumeldungen verarbeiten, das Navi bedienen, den Überblick über Verkehrslage und Schilderwald behalten (LKW von links, Fahrrad von rechts, Baustelle, Bagger, Zebrastreifen, Straßenbahn), dementsprechend adäquat reagieren, zwischendurch die Klimaanlage regulieren, Zigarette ausdrücken ...

Versagt unsere Fähigkeit zum Multitasking, weil die Flut der Eindrücke uns überfordert, verlieren wir die Kontrolle und laufen Gefahr, einen Unfall zu verursachen. Alleine Telefonierten am Steuer erhöht die Unfallgefahr um ein Vielfaches. In „gleichzeitigen“ Situationen die Übersicht zu verlieren, birgt neben Raserei das häufigste Unfallrisiko.

Wären Männer „Multitaskingkrüppel“, würden sie vollkommen überfordert im Zeitlupentempo die Straßen entlangkriechen und bei jeder unübersichtlichen Situation einen Unfall verursachen.

Sämtliche Unfallstatistiken zeigen hingegen, dass es die Frauen sind, die auf gleicher Kilometerstrecke häufiger die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren und dadurch mehr Unfälle verursachen.

Zwar fahren Frauen im Schnitt weniger als Männer und sind daher ungeübter, dafür sind Männer durch häufigeres Fahren auch einer gehäuften Unfallgefahr ausgesetzt. Hinzu kommt, dass Frauen wesentlich vorsichtiger und langsamer fahren. Männer hingegen fahren im Schnitt riskanter und rasanter und sie sind nachweislich häufiger unter Alkohol- und Drogeneinfluss unterwegs.

Das erhöhte Unfallrisiko liegt deutlich bei den Männern. Wären sie zusätzlich absolut multitaskingunfähig, wäre die Menschheit aufgrund männlicher Verkehrsunfälle längst ausgestorben.

 

Multitasking und Wahrnehmung

Die Fülle mit der wir in den Medien (insbesondere gewisse Gender-Bücher, Frauenzeitschriften, „lustige“ Filme etc.) mit dem Meinungstrend vom männlichen „Multitaskingkrüppel“ bombardiert werden beeinflusst unsere Wahrnehmung.

Sehen wir eine Frau, die beim Telefonieren das neue Fax entgegennimmt und abheftet, fühlen wir uns im Klischee bestätigt und rufen anerkennend: „Wow! Frauen und Multitasking!“. Dass ihr dabei der Stift herunterfällt nehmen wir gar nicht erst wahr.

Sehen wir einen Mann, der beim Telefonieren das neue Fax entgegennimmt und abheftet, rufen wir ... gar nichts. Dafür fällt uns umso mehr auf, wenn ihm dabei der Stift herunterfällt und nicken mitleidig: „Ja, ja, Männer und Multitasking ...“.

Letztendlich sehen wir am klarsten, wenn wir uns auf objektive Messwerte verlassen, anstatt auf unsere oftmals sehr subjektive Wahrnehmung.

  

Quellen:
Neurobioligin Kirsten Jordan und Psychologe Iring Koch:
Zeit Wissen 1/2007
 
Wikipedia
 
Die ADAC-Quelle der Unfallzahlen ist das Statistische Bundesamt und für die Fahrleistungszahlen ist die Quelle „MID“, Mobilität in Deutschland.
 
Weitere Statistiken zu Unfallzahlen:
Suchmaschine: Frauen Unfälle Kilometerleistung
 
Multitasking-Test: Institut für Arbeit und Gesundheit, 2010 
 
 
 

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