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- Tatsache oder Meinungstrend? -
Schmerzforschung
- Schmerzbelastbarkeit bei Mann & Frau -
Für eilige Leser:
Die Kernaussagen der Kapitel finden Sie hier: TEST
Stimmt es, dass Männer schmerzempfindlicher und wehleidiger sind als Frauen?
Seit im Zeitalter des Feminismus der Mythos vom wehleidigen Mann erfunden wurde, machen sich die Medien immer wieder lustig über die angeblich männliche Wehleidigkeit. Frauen werden regelmäßig als extrem belastbar und schmerzresistent dargestellt, Männer hingegen als Weicheier und Memmen.
Die ständige Wiederholung solcher Vorurteile führt zu Meinungstrends in der breiten Masse der Bevölkerung, die sogar die Wahrnehmung des Einzelnen stark beeinflussen können, da die Aufmerksamkeit durch Vorurteile auf jene Ausnahmen gelenkt wird, die diese Vorurteile bestätigen.
Die Regel sieht aber nunmal anders aus, als die Ausnahme, die das erlernte Vorurteil bestätigen soll.
Sind Männer aus wissenschaftlicher Sicht empfindlicher?
Mittlerweile beschäftigt sich auch die Wissenschaft im Rahmen der modernen Schmerzforschung mit der unterschiedlichen Schmerztoleranz der Geschlechter. Interessanterweise kommen die Schmerzforscherinnen und Schmerzforscher aller Welt einmütig zu dem Ergebnis:
- Tatsächlich sind Frauen schmerzempfindlicher und klagsamer.
- Männer erweisen sich dagegen als erstaunlich schmerzbelastbar und tough.
Kann man diesen Studien trauen?
Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Studie mit lediglich einer Hand voll Teilnehmern. Solche Hinterhofstudien sind oft nicht verlässlich und sollten grundsätzlich in Frage gestellt werden.
Die Erkenntnisse der modernen Schmerzforschung gründen sich auf eine Vielzahl seriöser Studien etlicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in aller Welt.
Galten Männer schon immer als Mimosen?
Die moderne Schmerzforschung widerlegt den aktuellen Meinungstrend vom wehleidigen Mann und gibt der traditionellen Sichtweise recht. Die traditionelle Sichtweise ist durch Jahrtausende alte Erfahrungswerte sämtlicher Kulturen entstanden.
Egal wie unterschiedlich diese Kulturen sind, sie haben immer wieder festgestellt:
- Wehleidigkeit gilt als unmännlich und ist eine eher weibliche Eigenschaft.
- Schmerzbelastbarkeit ist eine typisch männliche Eigenschaft.
Aus diesem Grund ist die männliche Schmerzbelastbarkeit im traditionellen Volksmund sprichwörtlich. Daher heißt es:
„Sei ein Mann – ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ oder „Stell dich nicht an wie ein Waschweib!“
und nicht:
„Sei eine Frau und stell dich nicht so an wie ein echter Kerl!“
Das sind keine bösartigen und falschen Vorurteile sondern ganz einfach Erfahrungswerte.
Was untersucht die moderne Schmerzforschung?
Die moderne Schmerzforschung untersucht unter anderem:
- Die unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit und Schmerzbelastbarkeit der Geschlechter.
- Die Ursachen dieser Unterschiede, sowohl auf rein körperlicher als auch auf geistig-psychischer Ebene.
Mit Hilfe dieser Forschungsergebnisse kann man in der medizinischen Schmerztherapie gezielter auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mann und Frau eingehen.
Mit welchen Methoden arbeitet die moderne Schmerzforschung?
Bei den Experimenten der Schmerzforschung werden den Versuchspersonen unterschiedlich starke Schmerzen zugefügt,
z. B. Schmerzreize durch:
- Hitze (z. B. heiße Herdplatte)
- Kälte (z. B. Eiswasser)
- Druck (z. B. punktueller Druck im Nackenbereich)
- Elektrizität (schmerzhafter Reizstrom)
Das sind nur einige Beispiele.
Was sagen die Experimente der modernen Schmerzforschung aus?
Die Ergebnisse der modernen Schmerzforschung zeigen bei sämtlichen Versuchen, dass Frauen tendenziell wesentlich schmerzempfindlicher und klagsamer sind als Männer:
- Frauen klagen beim selben Schmerzreiz schneller darüber Schmerzen zu haben.
- Frauen klagen beim selben Schmerzreiz über eine höhere Schmerzintensität als Männer.
- Frauen beklagen den selben Schmerzreiz schneller als nicht mehr ertragbar.
- Frauen geben schneller auf bei Tätigkeiten, die mit Schmerzen verbunden sind.
Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern betragen bis zu 50%!
Frauen sind umso empfindlicher, je tiefer der Schmerz im Körperinneren lokalisiert ist.
Was wird bei der Schmerzforschung gemessen?
Im Gegensatz zur zufälligen Beobachtung, die beispielsweise durch Vorurteile stark verfälscht werden kann, ermittelt man in der Schmerzforschung objektive Messwerte.
- Es wird objektiv erfasst, in welchem Maß die Versuchspersonen über Schmerzen und deren Stärke und Ertragbarkeit klagen.
- Es wird getestet wie schmerzbelastbar die Versuchspersonen sind, sowohl was die Intensität als auch die Dauer der Schmerzen betrifft.
- Es werden körperliche Reaktionen gemessen, wie zum Beispiel schmerzrelevante Hirnströme.
Sind Männer immer schmerzbelastbarer als Frauen?
Nein! Natürlich gibt es Ausnahmen, also besonders empfindliche Männer als auch (für weibliche Verhältnisse) schmerzbelastbare Frauen.
Da es Ausnahmen sind, werden solche Männer als unmännlich bzw. besonders belastbare Frauen als „Mannsweiber“ empfunden. Diese nehmen deshalb eine Ausnahmestellung ein, weil sie von Natur aus nicht sinnvoll sind und sich daher nicht in der breiten Masse durchsetzen.
Da Ausnahmen immer etwas besonderes sind, fallen sie uns in unserer subjektiven Wahrnehmung natürlich auch besonders auf.
Werden Frauen zur Wehleidigkeit erzogen?
Es gibt die These, dass Frauen lediglich aufgrund ihrer Erziehung wehleidiger sind. Das stimmt nicht! Ausschlaggebend für männliche Schmerzbelastbarkeit und weibliche Empfindlichkeit sind in erster Linie die Erbanlagen.
Die Erziehung baut allenfalls auf die Erbanlagen auf, da nach sinnvoller Tradition die angeborenen geschlechtertypischen Eigenschaften betont werden. Es ist nämlich für das Überleben des Einzelnen als auch der Gemeinschaft förderlich wenn Frauen weiblich und Männer männlich sind.
Welche Mechanismen machen Männer so schmerzbelastbar?
Da Männer von Natur aus besonders schmerzbelastbar sein müssen, ist der männliche Körper grundsätzlich auf das Ertragen von Schmerzen eingerichtet. Es gibt verschiedene rein körperliche aber auch geistig-psychische Mechanismen:
- Die Verteilung der Schmerzrezeptoren führt beim Mann zu einer erhöhten Schmerztoleranz.
- Das Hormon Testosteron macht Männer schmerzbelastbarer.
- Bestimmte Proteine und Botenstoffe machen Männer schmerzbelastbarer.
- Männer verarbeiten Schmerzen im rationalen Bereich des Gehirns. Daher gehen sie mit Schmerz pragmatischer um. Das gewährleistet, dass Männer starke und lang anhaltende Schmerzen auch auf geistig-psychischer Ebene besser aushalten können.
- Frauen verarbeiten Schmerzen im emotionalen Bereich des Gehirns. So verursachen Schmerzen eher Emotionen wie Angst und Stress. Im Gegensatz zu Männern reagieren Frauen sinnvoller Weise unter Angst und Stress mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit.
Geht Männlichkeit auch bei Tieren mit erhöhter Schmerzbelastbarkeit einher?
Im Tierversuch kommt die Schmerzforschung zum gleichen Ergebnis wie beim Menschen, sowohl was die Schmerzbelastbarkeit der Geschlechter betrifft, als auch die körperlichen Mechanismen, die dazu führen.
Das zeigt, dass Männlichkeit grundsätzlich mit erhöhter Schmerzbelastbarkeit einhergeht und nicht nur aufgrund der Erziehung bzw. Sozialisation.
Warum müssen Männer von Natur aus besonders schmerzbelastbar sein?
Männer sind robuster als Frauen, weil Männer in der Entwicklungsgeschichte wesentlich häufiger und intensiver Extremsituationen (Jagd, Kampf etc.) meistern mussten. Männer die sowohl auf körperlicher als auch auf geistig-psychischer Ebene schwach oder empfindlich waren konnten solche Extremsituationen nicht überleben.
Männer müssen nicht nur schmerzbelastbarer sein um zu überleben, sie können sich auch aufgrund ihres robusteren Körpers mehr Schmerzbelastbarkeit leisten. Schmerz ist nämlich ein Warnsignal, das uns zeigt, wann unsere körperlichen Grenzen erreicht sind.
Beispiel:
Das empfindliche Auge ist verletzlicher als der robuste Oberarm. Daher ist es sinnvoll, wenn das Auge sehr schmerzempfindlich ist. Dadurch entsteht ein sinnvolles Vermeidungsverhalten.
Der Oberarm ist sinnvoller Weise schmerzresistenter. Daher ist in Bezug auf Schmerzen das Vermeidungsverhalten wesentlich geringer, so dass wir uns bei Gefahr den Arm schützend vor die Augen halten.
Das gleiche Verhaltensprinzip sehen wir auch bei Mann und Frau.
Eine Gemeinschaft, bei der sich die Männer ohne Rücksicht auf die eigene Lebenserwartung schützend vor Frauen und Kinder stellen, hat einen immensen Überlebensvorteil. Das kommt letztendlich sogar Männern zugute, die in solchen Extremsituationen umkommen, wenn sie dadurch ihren Nachwuchs und den Bestand der Gemeinschaft schützen können.
Warum ist es sinnvoll, dass Frauen schmerzempfindlicher und wehleidiger sind?
Da der weibliche Körper nicht so robust ist wie der männliche, ist es sinnvoll wenn Frauen schmerzempfindlicher sind und auch rechtzeitig nach außen zeigen, dass ihre Grenzen erreicht sind. Dadurch entsteht ein Vermeidungsverhalten, das vor gefährlicher Überforderung schützt (s. o.).
Wäre es nicht logisch, dass Frauen schmerzbelastbarer sind, weil sie die Kinder kriegen müssen?
Schmerzen, wie sie während des Kampfes entstehen und nach dem Kampf durch Verletzungen noch lange anhalten, sind nachweislich stärker und dauerhafter als der Geburtsschmerz.
Daher zeigen sowohl die Erfahrungen Jahrtausende alter Kulturen, als auch die Experimente der Schmerzforschung, dass Männer schmerzbelastbarer sind als Frauen.
Aus diesem Grund könnten Männer den Schmerz bzw. die Belastung einer Geburt wesentlich besser aushalten als Frauen.
Wären Frauen ebenso schmerzbelastbar wie Männer, würden sie aufgrund des geringeren Vermeidungsverhaltens sowohl ihren Körper als auch den ungeborenen Nachwuchs zu stark gefährden. Eine Frau die Rücksicht auf sich und ihren (ungeborenen) Nachwuchs nimmt hat einen immensen Überlebensvorteil bzw. ist besser in der Lage möglichst oft ihre Gene weiter zu geben.
Sind Männer bessere Menschen, weil sie schmerzbelastbarer sind?
Nein! In einer Gemeinschaft (Stamm, Dorf, Staat etc.) ist es sinnvoll, wenn sich die einzelnen Mitglieder ergänzen und sich so als Ganzes gegen gefährliche Einflüsse oder Konkurrenten durchsetzen können.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, wenn Männer männlich und Frauen weiblich sind.
QUELLENHINWEISE:
(1) Interview Professor Lautenbacher:
(2) Bezug auf weitere Schmerzstudien:
Differenzierte Schmerzstudien die (wie alle anderen auch) zu o.g. Ergebnissen geführt haben finden Sie unter:
National Institutes of Health, Gender and Pain, April 1998
Dr. Roger B. Fillingim, Ph.D., Department of Psychology, School of Social & Behavioral Science, University of Alabama, Birmingham, Alabama
William Maixner, D.D.S., Ph.D., Department of Endodontics, School of Dentistry, University of North Carolina, Chapel Hill, North Carolina
Links zum Thema:
http://www.sciencedaily.com/releases/2005/07/050705004113.htm
(3) Schmerztests im Tierversuch:
Geschlechterstudien, Gender Studies