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- Tatsache oder Meinungstrend? -
Wahrnehmungsfehler
- Wahrnehmung & Wehleidigkeit -
Für eilige Leser:
Die Kernaussagen der Kapitel finden Sie hier: TEST
"Ein Mann, der einfach nur sagt 'Ich habe Kopfschmerzen' fällt mir in puncto Wehleidigkeit stärker auf, als eine Frau, die dabei in Tränen ausbricht."
Ein Therapeut
Das Vorurteil männlicher Wehleidigkeit
Regelmäßig machen sich manche Menschen über die angeblich männliche Wehleidigkeit lustig. Bei genauer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass sie einem Wahrnehmungsfehler aufgesessen sind, der auf Vorurteilen beruht. Diese lenken lediglich die Aufmerksamkeit auf die Ausnahme.
„Warum nehme ich Männer als wehleidig wahr?“
Sowohl nach den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung, als auch nach den Erfahrungen sämtlicher Jahrtausende alter Kulturen geht Männlichkeit mit erhöhter Schmerzbelastbarkeit und Weiblichkeit mit erhöhter Wehleidigkeit einher.
(siehe Kap. Schmerzforschung)
Wenn man entgegen dieser Tatsachen Männer als besonders wehleidig wahrnimmt, lohnt es sich, diese Wahrnehmung einmal kritisch zu hinterfragen.
Folgende Mechanismen führen dazu, dass manche Menschen Männer als besonders wehleidig wahrnehmen, obwohl es tatsächlich die Frauen sind, die in aller Regel wehleidiger reagieren:
- Das feministisch motivierte Vorurteil vom wehleidigen Mann wurde aus einfach erklärbaren Gründen von den Medien mit Begeisterung aufgegriffen und so in die Köpfe der breiten Masse transportiert.
- Vorurteile führen dazu, dass uns Ausnahmen, die diese Vorurteile bestätigen besonders auffallen (hier: Ausnahme besonders wehleidiger Mann / Ausnahme besonders schmerzbelastbare Frau).
- Was uns besonders auffällt wird nachhaltiger im Gedächtnis gespeichert. Daher erinnern wir uns besser an Situationen in denen Männer ausnahmsweise besonders wehleidig bzw. Frauen ausnahmsweise besonders schmerztolerant reagiert haben.
- So entsteht ein falsches Bild von den Dingen – die Vorurteile haben erfolgreich zu einem Wahrnehmungsfehler geführt.
Wahrnehmungsfehler können bei jedem auftreten und haben nichts mit allgemeinem Bildungsstand oder Intelligenz zu tun!
Warum reden die Medien oft vom wehleidigen Mann?
Das Vorurteil vom wehleidigen Mann gründet sich hauptsächlich auf feministisch motivierte Vorurteile, die von den Medien begeistert aufgegriffen werden. Die meinungsmachenden Medien reden oft vom wehleidigen Mann, weil:
- Gerade weil Wehleidigkeit aus gutem Grund als absolut unmännlich empfunden wird, ist der Mythos vom wehleidigen Mann eine Sensationsmeldung. Da sich Sensationsmeldungen gut verkaufen, sind sie bei den Medien sehr beliebt.
- Jeder Journalist (bzw. Medium) wird in der Regel gerne als emanzipiert angesehen, weil das beim durchschnittlichen Leser gut ankommt. Da die Frau als das unterdrückte Geschlecht gilt, wird es als emanzipiert angesehen, Frauen als stark und gut, Männer als schwach und schlecht darzustellen. So etwas nennt man „positive Diskriminierung“.
- Vorurteile führen zu Wahrnehmungsfehlern und so zu Meinungstrends. Auch der Journalist gibt nur das wieder, was ihm seine fehlerhafte Wahrnehmung suggeriert.
- Berichterstattung die frauenfeindlich wirkt, auch wenn sie lediglich objektiv ist, stellt die Zeitung etc. in einem schlechten Licht dar. Keine Zeitung will Leser verlieren, weil sie als „Machoblatt“ verschrien ist. Daher erhalten Journalisten, die allzu politisch unkorrekt berichten, einfach keine Aufträge mehr.
Bemerkenswert:
Je weniger Frauen als das unterdrückte Geschlecht gelten, umso eher ist es den Medien erlaubt in diesem Punkt objektiv zu sein. Wer die Entwicklung in der Berichterstattung über die letzten Jahrzehnte hinweg verfolgt hat, stellt fest, dass es zunehmend erlaubt ist, Männer nach traditionellem Bild mit ihren Stärken darzustellen und an überholten feministischen Vorstellungen Kritik zu üben.
Können sich Vorurteile tatsächlich durch Medien durchsetzen?
Es gibt viele Beispiele die aufzeigen, wie schnell sich ein grundsätzlich falsches Vorurteil bei der breiten Masse durchsetzt. Zwei Beispiele:
- Das Vorurteil von Lemmingen, die sich in suizidaler Absicht in Massen von der Klippe ins Meer stürzen basiert lediglich auf der falschen Darstellung aus einem Walt Disney Film.
- Das Vorurteil, Spinat enthalte besonders viel Eisen, basiert darauf, dass der Eisengehalt der Trockenmasse(!) errechnet wurde (kein Kommafehler, wie ein weiteres weit verbreitetes Vorurteil besagt).
Diese beiden Beispiele zeigen deutlich, dass es noch nicht einmal die massive Propaganda feministisch motivierter Medien braucht, um ein Vorurteil wirkungsvoll in die Köpfe der breiten Masse zu transportieren.
Können Vorurteile tatsächlich die Wahrnehmung beeinflussen?
In einem Experiment zeigte man sowohl neutral als auch rassistisch eingestellten Menschen eine Bleistiftskizze, die einen Schwarzen darstellt, der in einem Bus vor einer sitzenden älteren Weißen steht. Der Schwarze hält ein Fahrticket in der Hand.
Die neutral eingestellten Versuchspersonen sahen auf dem Bild einen Schwarzen mit einer Fahrkarte in der Hand.
Die rassistisch eingestellten Versuchspersonen sahen auf dem Bild einen Schwarzen, der eine weiße Frau mit einem Messer bedroht.
Das ist nur ein einzelnes Beispiel aus einer Vielzahl weiterer Studien, die aufzeigen, dass wir dazu neigen, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie unseren Vorurteilen entsprechen.
Nach dem selben Prinzip funktioniert auch die Fehlwahrnehmung vom wehleidigen Mann.
Können auch Fachleute von Wahrnehmungsfehlern betroffen sein?
Ja! Wären Fachleute wie beispielsweise Ärzte, Wissenschaftler etc. frei von Wahrnehmungsfehlern, gäbe es nicht massenweise Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen unter den Experten.
Auch ein Tätowierer, der in gewisser Hinsicht ein Schmerzfachmann ist, kann aufgrund eines Wahrnehmungsfehlers glauben, Männer verhielten sich wehleidiger als Frauen, weil ihm die Ausnahmen besonders auffallen. Andere Tätowierer wiederum nehmen das Verhalten wertneutraler wahr und kommen so zu einer anderen, objektiveren Meinung.
Beispiel:
In einer Frauenzeitschrift erklärt ein medizinischer Schmerztherapeut, Frauen empfinden laut Schmerzforschung Schmerzen zwar stärker, aber Männer seien klagsamer und Frauen könnten mit Schmerzen besser umgehen und sie so besser und länger aushalten.
Natürlich liegt er falsch, denn die moderne Schmerzforschung zeigt ganz klar auf, dass Frauen Schmerzen nicht nur schneller und stärker empfinden, sondern auch schneller und stärker über Schmerzen klagen und sie auch schneller nicht mehr ertragen können.
Daher greifen Frauen auch wesentlich schneller und häufiger zu Schmerzmedikamenten!
Warum reden einzelne Fachleute gerne vom wehleidigen Mann?
Andere Schmerztherapeuten wissen das. Dieser hier hat aber auch gute Gründe, Männer als wehleidiger darzustellen:
- Sein Artikel ist Werbung für ihn und seine Klinik. Frauenzeitschriften drucken nur ungern bis gar nicht Artikel ab, in denen weibliche Schwächen bzw. männliche Stärken dargestellt werden.
- Er will vermeiden von den Leserinnen in die Machoecke gesteckt zu werden und sich somit Kundinnen zu vergraulen.
- Er hat bisher aufgrund eines Wahrnehmungsfehlers, der auf erlernten Vorurteilen beruht, die Meinung propagiert, Männer seien das wehleidige Geschlecht. Wenn er plötzlich aufgrund neuer Studien zugeben muss, dass er im Unrecht war, läuft er Gefahr, vor Kollegen sein Gesicht zu verlieren und unglaubwürdig zu werden.
Sein Verhalten ist zwar nicht ehrlich, aber durchaus verständlich und nachvollziehbar.
Warum gibt es in diesem Bereich eine so große Ambivalenz?
In der Psychologie ist ambivalentes (zwiespältiges) Verhalten und Wahrnehmen wohlbekannt. Auch im Bereich der Wahrnehmung von Wehleidigkeit bei Mann und Frau herrscht eine starke Ambivalenz:
- Einerseits wissen die meisten Menschen zumindest unbewusst, dass Wehleidigkeit unmännlich ist.
- Andererseits haben viele Menschen das Vorurteil vom wehleidigen Mann gelernt und nehmen die Dinge fehlerhaft wahr. Es entsteht ein Zwiespalt zwischen unbewusster und bewusster Wahrnehmung.
- Daher machen sich viele Menschen über die vermeintlich typisch männliche Wehleidigkeit lustig, verlachen sie als unmännlich, behaupten jedoch, Wehleidigkeit sei ein typisch männlicher Wesenszug. Sie können sich nicht entscheiden, ob Wehleidigkeit nun typisch männlich oder typisch unmännlich ist.
Letztendlich zeigt uns sowohl die traditionelle Sichtweise, als auch die moderne Schmerzforschung, dass Wehleidigkeit zu Recht als unmännlich gilt.
Kann man tatsächlich zwei gegensätzliche Meinungen gleichzeitig haben?
Eine Allenbach-Umfrage, die im Auftrag der Zeitschrift „Geo-Wissen“ durchgeführt wurde, zeigt deutlich, wie sehr die Meinung vieler Menschen durch Medien verdreht wird, obwohl sie es eigentlich besser wissen.
Es wurden 2000 Männer und Frauen zu unterschiedlichen Themen befragt, unter anderem auch zur Wehleidigkeit. Dabei stuften die meisten Frauen zunächst zwei Drittel (die Mehrheit!) der Männer als wehleidig ein.
Anschließend forderte man die Frauen auf, ihre Meinung an ihren tatsächlichen Erfahrungen im persönlichen Umfeld (Freunde, Nachbarschaft, Kollegen etc.) zu überprüfen. Plötzlich stuften sie nur noch ein Drittel (eine Minderheit!) als wehleidig ein.
Die Befragten haben also zunächst genau das Klischee wiedergegeben, das ihnen regelmäßig durch die Medien unter die Nase gerieben wird, obwohl sie es eigentlich besser wissen. Dieses Phänomen wurde in der Umfrage auch bei allen anderen Themen beobachtet.
Erleben die Frauen tatsächlich ein Drittel der Männer als wehleidig?
Zu dem Ergebnis der Allenbach-Umfrage, dass sich tatsächlich eine Minderheit von einem Drittel der Männer wehleidig verhält, ist noch folgendes zu sagen:
Man muss bedenken, das Menschen nicht gerne zugeben sich geirrt zu haben und daher nur zögerlich von einer einmal geäußerten Meinung abrücken.
Außerdem ist zu berücksichtigen, dass durch das erlernte Vorurteil die Aufmerksamkeit in besonderem Maß auf die Ausnahme (wehleidiger Mann) gelenkt wird, so dass diese nachhaltiger im Gedächtnis gespeichert wird.
Wir müssen also davon ausgehen, dass selbst die Minderheit von einem Drittel noch weit über dem tatsächlichen Anteil wehleidiger Männer liegt.
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/10286/index.htmlhttp://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/617.html?p=2&q=wehleidig
http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmungsfehler
Geschlechterstudien, Gender Studies
(1) Umfrage zur Wahrnehmung von Männern und Frauen:
Quellenhinweise: