Die Kernaussagen der Kapitel finden Sie hier: TEST
Verhalten sich Männer besonders wehleidig wenn sie krank sind?
Regelmäßig wird in gewissen Medien in teilweise unverschämter Form über die angebliche Wehleidigkeit kranker Männer gespottet, während sich Frauen angeblich noch bei über vierzig Grad Fieber kaum beeinträchtigt zeigen.
Wer einmal genau hinschaut stellt jedoch fest:
Tatsächlich verhalten sich Frauen bei Krankheit wehleidiger. Wir bringen dem leidenden Mann lediglich weniger Toleranz entgegen, da Wehleidigkeit als unmännlich gilt - weil Wehleidigkeit nunmal erfahrungsgemäß unmännlich ist.
Hinzu kommt:
-Das Vorurteil vom wehleidigen Mann wurde zur Zeit des Feminismus erfunden, um Männer als das eigentlich schwache Geschlecht darzustellen.
-Dieses Vorurteil lenkt die Aufmerksamkeit auf die Ausnahme.
-Leidensäußerungen werden beim Mann stärker wahrgenommen als bei der Frau.
-Dadurch wird die Ausnahme leidender Mann nachhaltiger im Gedächtnis gespeichert.
„Emanzipierte“ Vorurteile führen dazu, dass Männer bei oberflächlicher Betrachtung von der breiten Masse als wehleidig angesehen werden.
Wirken Männer auch bei genauem Hinschauen wehleidiger?
Der Kabarettist Dieter Nuhr amüsierte sich einmal in einem Sketch darüber, dass sich Männer im Gegensatz zu Frauen besonders wehleidig anstellen, wenn sie krank sind.
Da ich Dieter Nuhr aufgrund seiner ausgesprochen guten Beobachtungsgabe sehr schätze, fand ich diesen Sketch gerade aus seinem Mund sehr befremdlich. Daher schrieb ich ihm eine Email.
Zu meiner Überraschung antwortete er mir, er habe sich bei dem Sketch tatsächlich geirrt, da er sich an dem gängigen Meinungstrend orientiert habe. Mittlerweile habe er beobachtet, dass es genau umgekehrt ist: In Wahrheit verhalten sich Frauen bei Krankheit wehleidiger als Männer.
Anmerkung:
Dieter Nuhr erhielt den Deutschen IQ-Preis 2008. Er wurde für seinen lebendigen Beweis geehrt, dass sich Humor und Intelligenz nicht ausschließen, teilte der Verein Mensa mit, der sich für die Erkennung und Förderung von Hochbegabten einsetzt.
Wie kommt es von der Ausnahme zur Verallgemeinerung?
Selbstverständlich gibt es auf beiden Seiten immer Ausnahmen, nämlich außergewöhnlich starke Frauen und außergewöhnlich schwache Männer.
-Im Normalfall (traditionelle Sichtweise der Kulturen) erkennt der Mensch, dass es sich nur um eine Ausnahme handelt.
-Künstlich erzeugte Vorurteile können jedoch zu Verallgemeinerungen dieser Ausnahmen führen.
Natürlich kann es auch ohne künstlich erzeugte Vorurteile dazu kommen, dass beispielsweise eine außergewöhnlich starke Frau ihre eigene Stärke verallgemeinert, da der Mensch dazu neigt, die eigenen Eigenschaften allgemein auf Geschlechtsgenossen zu übertragen.
Ebenso macht es der außergewöhnlich schwache Mann.
Das sind aber lediglich Einzelfälle. Durch das Propagieren von Vorurteilen entstehen jedoch in wesentlich größerem Umfang, also bei der breiten Masse, falsche Meinungstrends.
Beispiel:
Eine durchschnittliche Frau, die einmal einen wehleidigen Mann erlebt und noch ein oder zwei „emanzipierte“ Lästerartikel liest, denkt automatisch: „Stimmt, das hab ich auch schon so erlebt.“ bzw. „Das schreiben sie doch auch immer.“.
Scheinbar bestätigen sich der erlebte Ausnahmefall und die Lästerartikel gegenseitig, so dass die Frau zu der falschen Überzeugung gelangt, Männer seien grundsätzlich wehleidig.
Warum wird gerne über angeblich wehleidige Männer gespottet?
Beim Thema Krankheit greift das gleiche Prinzip, wie beim Thema Schmerzempfindlichkeit:
-Wehleidigkeit galt schon immer als unmännlich, da Wehleidigkeit für Männer untypisch ist.
-Da Wehleidigkeit tendenziell weiblich ist, reagieren wir bei weinenden oder klagenden Frauen wesentlich toleranter.
-Bei Männern wird auf gleiches Verhalten eher mit Spott reagiert, da es als unmännlich empfunden wird.
Hätten die Menschen schon immer die Erfahrung gemacht, dass Männer besonders wehleidig sind, wäre es die natürlichste Sache der Welt. Man würde es zwar feststellen und in den Volksmund übernehmen, aber nicht dermaßen darüber spotten, wie der Fall ist, seit sich der künstlich erzeugte Meinungstrend breit gemacht hat.
Lassen sich Frauen bei Krankheit schneller und länger krankschreiben?
Ein gängiges Vorurteil lautet, dass Frauen noch lange tapfer aushalten, bevor sie sich krankschreiben lassen, während die angeblich wehleidigen Männer sofort beim kleinsten Schnupfen eine Grippe vermuten und sich ins (Sterbe)bett zurückziehen.
Dies ist für Feministen neben vielen anderen neu erfundenen Meinungstrends ein Argument für die besondere Leistungsfähigkeit der Frauen auf dem Arbeitsmarkt.
Die (nicht so gerne propagierte Wahrheit) sieht anders aus:
Im Durchschnitt haben Frauen ein gesünderes Immunsystem als Männer.
-Der weibliche Körper reagiert wesentlich empfindlicher auf Krankmacher wie Rauchen, Alkohol, Fehlernährung, Stress etc.
-Würden Frauen wie Männer leben, hätten sie ein wesentlich schlechteres Immunsystem als Männer.
-Daher legen Frauen im Durchschnitt ein (noch immer) wesentlich stärkeres Vermeidungsverhalten bzgl. Krankmachern an den Tag.
-Durch ihre gesündere Lebensweise haben Frauen ein gesünderes Immunsystem.
Dadurch kommt der weibliche Körper eigentlich besser mit Krankheiten klar:
-Durch ihr gesundes Immunsystem werden Frauen seltener krank.
-Die Krankheiten fallen weniger schwer aus.
-Der Körper kann sich schneller von Krankheiten kurieren.
Eigentlich müssten Frauen wesentlich seltener durch Erkältungskrankheiten krank geschrieben sein und sie müssten schneller wieder gesund sein.
Die Gesundheitsreports der Krankenkassen, die genau aufzeigen, wer aus welchem Grund wie oft und wie lange krankgeschrieben ist beweisen jedoch:
-Frauen lassen sich schneller krank schreiben.
-Frauen lassen sich länger krank schreiben.
Das bedeutet:
-Während Männer trotz ihrer stärkeren Krankheitssymptome (Immunsystem) weitermachen, ziehen sich kränkelnde Frauen schon bei leichten Beschwerden (Immunsystem) aus dem anstrengenden Arbeitsalltag zurück.
-Der Mann hält durch, bis es wirklich nicht mehr geht. Erst wenn die Symptome extrem stark sind, zieht sich der Mann zurück um sich auszukurieren.
-Hinzu kommt: Frauen lindern ihre Symptome stärker, da sie trotz besserem Immunsystem wesentlich schneller und häufiger zu lindernder Arznei greifen.
Vergleichen Sie das einmal mit den Ergebnissen aus der Schmerzforschung: Frauen klagen schneller über Schmerzen, sie klagen beim gleichen Schmerzreiz über mehr Schmerzen, sie bezeichnen den gleichen Schmerzreiz schneller als nicht mehr ertragbar und sie geben schneller auf bei Tätigkeiten die mit Schmerzen verbunden sind.
Es ist erstaunlich, wie künstlich erzeugte Vorurteile dazu führen, dass viele Menschen trotz dieser Tatsachen den Eindruck haben, Frauen halten tapfer aus, während Männer sich sofort beim kleinsten Schnupfen krank schreiben lassen.
Warum greifen Frauen schneller und häufiger zu Schmerzmedikamenten?
Gerne wird darüber gelästert, dass die angeblich wehleidigen Männer bei jeder Kleinigkeit Schmerzmittel einnehmen, währen Frauen dazu neigen Schmerzen auszuhalten.
Tatsächlich zeigen Studien, dass Frauen wesentlich schneller und häufiger zu lindernder Arznei greifen.
Hinzu kommt, dass viele Medikamente in Abhängigkeit vom Körpergewicht wirken. In der Regel sind die angegebenen Dosierungen für einen durchschnittlichen Erwachsenen mit 75 kg Körpergewicht ausgelegt.
Da Frauen im Schnitt leichter sind als Männer, tritt der lindernde Effekt der sowieso schon stärker eingesetzten Arznei umso stärker ein.
Warum Frauen so auf Schmerzarznei fixiert sind, leuchtet ein, wenn man sich die Ergebnisse aus der Schmerzforschung anschaut.
Meiden Männer Ärzte oder gehen sie schneller hin?
Nach einem gerne propagierten Vorurteil trauen sich Männer bei ernsthaften Erkrankungen nicht zum Arzt, anderseits lassen sie sich schon bei Kleinigkeiten in die Klinik einweisen. Dieses Vorurteil ist konstruiert und widersprüchlich!
Männlichkeit geht nachweislich mit verminderter Ängstlichkeit einher. Zu oft missversteht die drängende Frau („Geh doch mal zum Arzt.“) den männlichen Galgenhumor („Nein, nachher findet der wirklich was.“), mit dem der Mann lediglich erreichen will, dass die Frau endlich Ruhe gibt.
Sowohl die Schmerzforschung als auch die Krankschreibungen und der Schmerzmittelkonsum zeigen, dass Frauen schneller und stärker unter Symptomen leiden und daher schneller wegen Kleinigkeiten als auch wegen ernsthafter Erkrankungen zum Arzt gehen.
Feministinnen beklagen, dass Frauen bei der Schilderung ihrer Symptome oft nicht ernst genommen und zu Unrecht als Psychosomatiker abgestempelt werden. Das liege angeblich daran, dass Frauen weniger klagen.
Tatsächlich liegt es nicht am zurückhaltenden Klagen der Frauen. Das genaue Gegenteil ist der Fall (Schmerzforschung). Wir alle wissen aus Erfahrung: Gerade wenn jemand bekannt dafür ist, ständig grundlos zu klagen, wird er irgendwann nicht mehr ernst genommen, auch wenn er tatsächlich Beschwerden hat.
Daher ist es wichtig, dass Ärzte erkennen, dass Frauen zwar dazu neigen, sich schon bei leichten Beschwerden wehleidig zu verhalten, es trotzdem wichtig ist, Frauen ernst zu nehmen, da erstens nicht alle Frauen grundlos klagen und zweitens auch bei der klagsamen Frau immer etwas Ernstes dahinter stecken kann.
Sollten sich Frauen bei Krankheit mehr zusammenreißen?
Nein! Es ist durchaus sinnvoll, wenn sich Frauen einerseits durch Vermeidungsverhalten weniger belasten, anderseits auf Symptome schneller reagieren.
Würden Frauen ihren weniger robusten Körper ebenso belasten wie Männer und die Symptome ignorieren, würden sie sowohl sich selbst, als auch ihren ungeborenen Nachwuchs, zu sehr gefährden.
Männer hingegen müssen im Überlebenskampf (Kämpfen, Jagen, Konkurrenten etc.) mehr wegstecken können und dürfen sich Schwächen nicht zu schnell anmerken lassen, da dies von Konkurrenten ausgenutzt werden könnte.