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- Tatsache oder Meinungstrend? -
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Y-Chromosom
Ist das Y-Chromosom ein degenerierter Krüppel?
Aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Größe wird das Y-Chromosom oftmals fälschlicherweise als unterentwickelt, degeneriert oder verkrüppelt dargestellt.
Beispiel:
Der Spiegel, eigentlich ein politisches Magazin, publiziert in seiner Titel-Story(!) „Eine Krankheit namens Mann“ (Ausgabe 38):
- Das Y-Chromosom ist ein Krüppel.
- Das vermeintlich starke Geschlecht ist in Wirklichkeit ein Mangelwesen.
- Männer kommen mit einem eingebauten Defekt zur Welt.
- Männer erscheinen wie genetisch verkorkste Frauen.
- Der Mann ist ein schwächliches Geschöpf.
- Männer sind kostspielig und ineffektiv.
- Einmal entstanden, wird man die Männer nicht mehr los.
- Es wäre erschreckend, wenn es letztendlich ohne Männer doch nicht geht.
Allein der Titel hätte in unserer „emanzipierten“ Kultur einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, hätte man den Artikel „Eine Krankheit namens Frau“ getauft.
Hat eine Verkleinerung immer eine Degeneration zur Ursache?
Nein. Es gibt Organe, deren Funktion aufgrund veränderter Umweltbedingungen nicht mehr benötigt wird. Diese können mit der Zeit verkümmern oder ganz ausselektiert werden.
Im Fall des Y-Chromosoms handelt es sich jedoch um eine Spezialisierung, die der Spezies Mensch einen eindeutigen Überlebensvorteil bietet.
Welchen Überlebensvorteil bringt das Y-Chromosom?
Der weibliche Geschlechtschromosomensatz XX funktioniert nach folgendem Prinzip:
- Das eine X-Chromosom stellt eine Sicherheitskopie des anderen dar.
- Schleicht sich auf einem X-Chromosom ein Fehler ein, springt die Sicherheitskopie ein.
- Auch bei fehlerhafter Genetik (Genotyp) ist in diesem Fall die Frau rein körperlich (Phänotyp) gesund.
- Eine Frau, die vom Phänotyp her gesund erscheint, kann fehlerhafte Gene vererben. Das ist kein großer Überlebensnachteil für die Gemeinschaft, da Frauen ihre Gene nicht so massiv streuen können wie Männer.
Der männliche Geschlechtschromosomensatz XY funktioniert nach folgendem Prinzip:
- Das Y-Chromosom kann sich selbst reparieren, indem es fehlerhafte Sequenzen einfach abspaltet.
- Befindet sich jedoch auf dem X-Chromosom ein Fehler, kann er häufig nicht durch das Y-Chromosom kompensiert werden.
- Die fehlerhafte Genetik tritt beim Mann viel wahrscheinlicher auch im Phänotyp auf.
- Ein solcher Mann hat ein deutliches Handicap. Wenn er die männliche Lebensweise (Jagd, Kampf etc.) überhaupt überlebt, so wird er zumindest kein Alpha-Mann und streut seine fehlerhafte Genetik kaum oder gar nicht.
- Beim Alpha-Mann ist die Wahrscheinlichkeit einer gesunden Genetik recht hoch, so dass es für die Gemeinschaft einen Überlebensvorteil darstellt, wenn er massiv seine Gene streut.
Das Y-Chromosom bring einer Gemeinschaft also einen starken Überlebensvorteil, da es dafür sorgt, dass Männer mit fehlerhafter Genetik ausselektiert werden und keine Frauen durch Schwangerschaft besetzen, die mit einem Alpha-Mann wesentlich überlebensfähigeren Nachwuchs gezeugt hätten.
Ist das Y-Chromosom immer männlich?
Nein. Beispielsweise besitzen bei Fliegen die Weibchen ein Y-Chromosom. Da Fliegen eine vollkommen andere Lebensweise haben als Menschen, ist in ihrem Fall das der Überlebensvorteil. Immerhin legt ein Fliegenweibchen so viele Eier, dass es Sinn macht, wenn weibliche Fliegen mit schlechter Genetik sterben, bevor sie viele Nachkommen in die Welt setzen, die dann ihrerseits die schlechten Gene weiterverbreiten.
Warum ist mehr nicht immer besser?
Die menschliche Genetik, egal ob bei Mann oder Frau, ist genau auf den sinnvollen Bedarf abgestimmt. Wie negativ sich eine nicht sinngemäße Veränderung auswirken kann zeigt das Beispiel der Trisomie XXX bzw. Trisomie XYY:
Wenn Männer ein Y-Chromosom zuviel haben (XYY) werden sie unverhältnismäßig groß und aggressiv. Eine Veränderung, die in diesem extremen Maß nicht sinnvoll ist.
Wenn Frauen ein X-Chromosom zuviel haben (XXX) werden sie unverhältnismäßig dumm.
Mehr ist also nicht immer besser!
Geschlechter Studien, Gender Studies